Fahrzeuge, Normen, Rahmenbedingungen – in der Welt des bidirektionalen Ladens herrscht Dynamik. So stellt sich die Frage, wer in welcher Form davon profitieren kann.
Bereits heute kann sich bidirektionales Laden lohnen, insbesondere für Leute oder Firmen, die eine eigene Photovoltaikanlage betreiben und mit V2H (Vehicle-to-Home) oder V2B (Vehicle-to-Building) ihren Eigenverbrauch optimieren. Das Fahrzeug wird in diesem Zusammenhang zu einer validen Alternative zum stationären Speicher.
Meine Erfahrungen
Vor 2 Jahren habe ich einen Nissan Leaf auf dem Occasionsmarkt angeschafft, 5 jährig, 70’000 km. Das sollte kein Problem sein, denn heutige Autobatterien überleben in der Regel das Auto, sie werden für 400’000 bis 500’000 km ausgelegt. Noch heute messe ich 62 kWh Ladekapazität und eine Reichweite von über 380 km.
In den verflossenen 2 Jahren hat die Autobatterie 7’200 kWh Solarstrom gepuffert. 3’000 kWh hat sie dem Auto für die gefahrenen 20’000 km geliefert und 4’200 kWh flossen bei Bedarf als Eigenverbrauch ins Haus zurück. Damit konnten 7’200 kWh Netzbezug für Auto und Haus eingespart werden. Zudem ist das Netz von den vielbeklagten Stromspitzen in beiden Richtungen entlastet worden.
Die Nutzung einer bidirektionalen Ladestation ist heute bereits sehr komfortabel. Mein Hausmanagement mit Loxone steuert die Ladestation von sun2wheel vollautomatisch.

Fürs Laden brauche ich 1 Minute Zeit, nämlich fürs Ein- und Ausstecken in der Garage. Benzin tanken dauerte einst einiges länger – und stinkt.

Im Hintergrund läuft alles automatisch ab, so wie ich es über die App eingestellt habe.

Über diese App lassen sich auch alle Stromflüsse im Haus einsehen. Hier zwei Beispiele:
- Sommertag ohne Sonne

Die PV-Anlage leistet bloss 1.5 kW. Das Haus braucht nur 0.3 kW, so dass die Autobatterie mit 1.2 kW tagsüber geladen werden kann. Das Netz geht mit 0.007 kW praktisch leer aus.
2. Sommertag bedeckt

Von den 2.1 kW Solarleistung wird ca. 1 kW vom Haus bezogen. Mit den restlichen 1.1 kW wird die Autobatterie geladen, was bei weitem den Bedarf des Hauses für die Nacht wird decken können. Auch hier ist das Netz vernachlässigbar.
Auch der Ladezustand der Batterie lässt sich mit der App überwachen.

Was in der Nacht für die Heizung (Wärmepumpe Luft-Wasser) aus der Autobatterie bezogen wurde, wird ab Tagesanbruch rasch wieder nachgeliefert. Um die Batterie zu schonen, ist der Ladestand auf max. 85 % begrenzt, ist an sonnenarmen Tagen nicht nötig (violette Linie). Nach Sonnenuntergang speist die Batterie wieder Haus und Heizung. Dieser Verlauf mit Raus und Rein kann sich über mehrere Tage aneinander reihen, sofern die Ladung am Ende des Tages mindestens so gross ist wie am Anfang.
Und wie steht es mit dem Fahrstrom fürs Auto? Wenn ich das Auto z.B. um 16:20 Uhr mit 98% geladen haben möchte, kann das programmiert werden. Der Ladevorgang beginnt, sobald genügend Solarstrom vom Dach kommt. Falls das nicht reicht, wird mit Netzstrom nachgeholfen. Wenn ich abfahre, sieht das dann so aus.


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